Portrait Shoot Anika

„Das ist mir zu sehr James Bay“, sagt sie mit einem kritischen Blick auf das kleine Display meiner Kamera. Ich blinzele sie an, um in der hellen Nachmittagssonne ihre Konturen ausmachen zu können.
Wir stehen am Rhein – auf der ’schäl Sick‘ von Köln, der rechten Seite. Es ist ein Freitag und ein unheimlich perfekter Frühlingstag. Die Rheinpromenade ist gut besucht und überall um uns herum frönen die Menschen dem wundervollen Wetter. Wir allerdings haben ein ausgemachtes Ziel.

Unsere Mission lautet: Shooting-Zeit. 
Und zwar nicht etwa Zeit für irgendein Shooting (ich glaube insgeheim, so was wie ‚irgendein‘ gibt es in meinem Leben auch schlicht gar nicht), sondern ein Shooting für Anikas erste LP, ihre erste eigene CD.
Dies hier ist nicht das erste Shooting für dieses Projekt und es wird auch nicht das letzte sein – da sind wir uns beide sicher. Es gibt einfach noch zu viel zusammen zu entdecken, als dass wir jetzt schon aufhören würden. Allerdings haben wir trotzdem ein Ziel; ausdrucksstarke Bilder, die zeigen, wie Anika ist. Die einfach ehrlich sind…und direkt. Und schön 🙂 

Heute stehen wir dabei vor ein paar Herausforderungen, denen wir uns ziemlich mutig stellen: Wenig Zeit, keine vorherige Auswahl, geschweige denn Besichtigung der Location, viele Menschen und noch vieeeel mehr Sonne. Letzteres klingt irgendwie schön…und das ist es auch. Nur nicht unbedingt für ein Fotoshooting.
Viel Sonne heißt für die Kamera: Extrem viel Licht, das von allen Seiten reflektiert wird. Und wenn man blöder Weise niemanden gefragt hat, der vielleicht netter Weise irgendwas großes, weißes, leicht lichtdurchlässiges zwischen die unglaubliche Leuchtkraft der Sonne und das Motiv hält, heißt es vor allem: Ganz schön hartes Licht, das ganz schön harte (nicht immer schmeichelnde) Schatten bedingt. 
Irgendwie stelle ich allerdings nach den ersten Fotos fest, dass ich diese Lichtsituation auch irgendwie mag. Viel Licht, hartes Licht, hoher Kontrast.
Hätte ich hier schon geahnt, wie sehr mich genau diese Lichtsituation noch begleiten wird…ich hätte gar nicht mehr aufgehört zu fotografieren 😉

Irgendwo hier hab ich sie gefunden – meine Liebe zur High Key Fotografie. Ich habe das Gefühl, es gibt unglaublich viele Richtungen von diesem Stil und wahrscheinlich ist es letztendlich wie bei jeder Kunst…es ist, was man daraus macht. Für mich ist es einfach vieeeeeel Licht. Ich liebe Licht. Aus tausend verschiedenen Gründen ist es eine der tollsten Sachen überhaupt. 
„High key“ stammt übrigens ursprünglich aus der Welt des Films. Damals wurden die Protagonisten meist mit einem hoch aufgehängten Dreipunkt-Hauptlicht (dem sog. „Key Light“) beleuchtet, durch das ihr ‚guter Charakter‘ verbildlicht werden sollte, wohingegen der Gegenspieler mit einem von unten kommenden Hauptlicht angestrahlt wurde, um ihn möglichst furchterregend erscheinen zu lassen. 

Heute wird dieser Begriff für eine Stilrichtung der modernen Fotografie genutzt, in der helle Farben (meist reines weiß), niedrige Kontraste und oftmals weiches Licht verwendet werden, was das Motiv meist besonders ‚rein‘ wirken lässt. Der Gegensatz hierzu wird im Low key-Stil definiert, wo dunkle (schwarze) Farbflächen vorherrschen und hohe Kontraste angestrebt werden.
Allerdings habe ich festgestellt, dass mich genau die hohen Kontraste in Verbindung mit viel Licht und monochromer Farbgebung ansprechen. Insbesondere (gute) Portraits in diesem Stil haben für mich eine ungeheure Anziehung in ihrem Ausdruck. Es ist also nicht wirklich High key und schon gar nicht Low key.
Was ich mache, liegt irgendwo dazwischen. Es ist my key.
Und obwohl Vieles noch eher unbewusst als geplant ist (das meiste ist tatsächlich Gefühl), entdecke ich grade etwas, das man vielleicht später mal als einen eigenen Stil bezeichnen könnte…
Ich bin unglaublich gespannt, was daraus wird 😀

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